21.01. Interview mit Alexander Nikendei, dem Autor des Buches „Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV) – Praxisbuch Krisenintervention“

Nachfolgend ein Interview mit Alexander Nikendei, dem Autor des neuen Buches „Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV) – Praxisbuch Krisenintervention“.

Das Buch können Sie über diesen Link bestellen.
 
Frage:

Herr Nikendei, Ihr Buch ist gerade erschienen. Welche Zielgruppe sprechen Sie an?

A. Nikendei:

Die Zielgruppen des Buches sind breit gefächert: Zuallererst richtet sich das Buch an Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der psychosozialen Akuthilfe. Also an all diejenigen Menschen, die sich in Notfallseelsorge-, Kriseninterventions- oder Notfallnachsorgediensten engagieren. Für diese Zielgruppe ist der ganze Inhalt des Buches von Relevanz.

Allen anderen Einsatzkräften von Feuerwehr, Polizei, Rettungsdienst, Betreuungsdiensten, Schnelleinsatzgruppen (SEG), Bereitschaften, Einsatzeinheiten, Katastrophenschutz, Bergrettung, Luftrettung, Wasserrettung, Technisches Hilfswerk (THW) und Notärzten / Notärztinnen dient dieses Buch als wichtiger Leitfaden, wenn sie in Situationen gestellt sind, wo es um fachliches Handeln in psychischen Notlagen von Betroffenen geht.

Auch beispielsweise Klinikseelsorger, Schulpsychologen, Fachkräfte in der Sozialen Arbeit, Mitarbeiter in den verschiedensten psychosozialen Beratungsstellen, Hausärzte, medizinisches und pflegerisches Fachpersonal, Bestatter, Lehrer, Erzieher können in Situationen geraten, wo das im Buch vermittelte Wissen hilfreich und sehr unterstützend sein kann.

 

Frage:

Wie können Sie eine solch große Zielgruppe abdecken?

A. Nikendei:

Das hängt mit der Struktur des Buches zusammen. Die einzelnen Arten von Unglücken, z.B. Evakuierung und Räumung, Krisensituationen in Schulen, Begleitung bei der Identifizierung, sind schnell aufschlagbar, einheitlich strukturiert und auf alles Wesentliche konzentriert. Es sind daher für alle Zielgruppen dieses Buches wichtige Informationen enthalten.

Das Gleiche gilt für den zweiten großen Teil des Buches, in dem es um spezielle Situationen während einer Begleitung geht, beispielsweise die Begleitung von Menschen mit körperlicher Einschränkung, Schuldgefühle bei Betroffenen, Bräuche und Traditionen verschiedener Religionen im Kontext von Tod und Trauer, Begleitung von Kindern und Jugendlichen, Hilfreiche Texte, geistliche Hilfestellungen, Nottaufe.

An ein paar wenigen Stellen werden ganz spezifische Hinweise für Polizei, Rettungsdienst, Notarzt / Notärztin aufgeführt.

 

Frage:

Welche Schwerpunkte setzt das Buch?

A. Nikendei:

Die Schwerpunkte ergeben sich aus den Anforderungen der verschiedenen Zielgruppen. Wenn ich zum Beispiel als Rettungsassistent eine Ehefrau begleite, nachdem wir nichts mehr für ihren vom Dach gefallenen Mann tun konnten, bekomme ich eine Entscheidungshilfe, ob Bedarf für eine weitere psychische Unterstützung besteht. Und ich erfahre, was die angeforderte Notfallseelsorge oder der Notfallnachdienst nach meinem Abrücken vom Einsatzort mit der betroffenen Ehefrau tut.

 

Frage:

Was ist denn der „PSNV-3-Satz“?

A. Nikendei:

Den PSNV-3-Satz sehe ich als wertvolles Instrument, eine Begleitung fachlich gut anzubieten – zu Beginn und während des Begleitungsprozesses. Sehr einfach merkbar, sehr einfach anwendbar, sehr hilfreich – so die Rückmeldung von denjenigen Personen, die mit diesem PSNV-3-Satz arbeiten. Er besteht aus drei verschiedenen Blickwinkeln, die immer wieder während des Einsatzes eingenommen werden können. Erstens: Ich nehme die Situation und die Betroffenen wahr. Zweitens: Ich nehme mich wahr. Drittens: Ich nehme die Bedürfnisse meines Gegenübers wahr.

Wer die unkomplizierten Hintergründe dieser drei Blickwinkel kennt, wird sich meist nicht schwer tun, eine Begleitung fachlich anzubieten. Natürlich neben einer guten Ausbildung für diesen Bereich.

 

Frage:

Die Ergebnisse des Konsensus-Prozesses wurden 2011 Jahr veröffentlicht. Sind diese ebenfalls enthalten?

A. Nikendei:

Nur so viel: das Buch ist up-to-date. Heißt: die Ergebnisse sind im Buch eingearbeitet. Dies hat schon zu einigen sehr positiven Rückmeldungen geführt.

 

Frage:

Wie viele und welche Einsatzindikationen kommen vor?

A. Nikendei:

Einige habe ich ja schon vorhin erwähnt. Hier noch vier weitere Einsatzindikationen: die Überbringung einer Todesnachricht, Mitarbeit in Großschadenslagen, Begleitung nach einem Suizid und Einsatznachsorge für eine Einsatzkraft nach einem belastenden Einsatz. Insgesamt sind es 22 Einsatzindikationen, die das Buch behandelt.

 

Frage:

Wie stellen Sie den Praxisbezug her?

A. Nikendei:

Der Praxisbezug ist durch eine klare Struktur der einzelnen Einsatzkapitel hergestellt: Jedes Kapitel beginnt mit dem Abschnitt „Das Wichtigste in Kürze“, dann folgt eine kurze Aufzählung, wie die Verfassung von Betroffenen bei dieser Einsatzindikation sein könnte. Sodann folgen verschiedene Hinweise für diese Einsatzindikation. Ein Abschnitt behandelt „No-go’s“ – also was im Umgang mit Betroffen unbedingt vermieden werden sollte. Den Abschluss bilden fachliche Hintergrundinformationen zum Beispiel zum Thema Unfallverursacher.

Das vollständig in Farbe gehaltene Buch, die durchstrukturierte Farbkennzeichnung und praktische Symbole lassen eine sehr schnelle Orientierung zu.

 

Frage:

Wie viele und welche Einsatzsituationen kommen vor?

A. Nikendei:

22 Situationen, die im Zusammenhang mit einer Begleitung auftreten können, werden beschrieben. Auch diese sind übersichtlich strukturiert und die Tipps und Hilfen darin flott umsetzbar. Zu diesen Situationen gehören zum Beispiel, Suizidalität von Betroffenen, Ablehnung einer Begleitung durch Betroffene, alkoholisierte Betroffene, Schaulustige und der Non-helping-bystander-effect, Störungen durch Handy, Smartphone & Co.

 

Frage:

Was unterscheidet dieses Buch von anderen Büchern zum Thema Krisenintervention und Notfallseelsorge?

A. Nikendei:

Ich denke, dass das Buch den Spagat schafft, ein klares Praxisbuch zu sein und gleichzeitig durch die Grundlagenkapitel wichtige Einblicke in das Arbeitsfeld schafft – auch für die Ausbildung in der Psychosozialen Notfallversorgung.

Vor allem das Format, das in jede Einsatzjacke passt, macht das Buch zu einem robusten Begleiter.

 

Herr Nikendei, vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg für Ihr Buch.

 

14.01. Notfallseelsorge Prignitz ändert seinen Namen

Die Gruppe mit aktuell acht Mitgliedern arbeitet seit kurzem unter einem neuen Namen: Team der psychosozialen Notfallversorgung (PSNV). Mit der neuen Katastrophenschutzverordnung vom Oktober 2012 gehören Notfallseelsorger jetzt offiziell und per Gesetz zum Katastrophenschutz des Landes Brandenburg – auch wenn sie sich jetzt anders nennen.

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20.12. Kurzrezension: Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV) – Praxisbuch Krisenintervention von Alexander Nikendei

 

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Praxisbuch für jede Einsatzjacke

 

Das Buch setzt seinen Schwerpunkt eindeutig auf die Praxistauglichkeit, erklärt aber auch die wesentlichen theoretischen Hintergründe zur PSNV.

Somit ist es ein Buch zum Vorbereiten auf Einsätze, Nachschlagen während eines Einsatzes und zum Nachbereiten/Reflektieren nach einem Einsatz.

Es spricht in erster Linie, aber nicht nur, Mitarbeiter von PSNV-Diensten an.

Auch z.B. Einsatzkräfte aus Rettungsdienst, Feuerwehr oder Polizei finden hier wertvolle Hinweise und Tipps für die psychische erste Hilfe.

 

INHALT:

Das Buch besteht aus acht Teilen:

 

Teil 1. Einführung

 

Teil 2. PSNV:

– Struktur, Maßnahmen, Ziele und Zielgruppen der PSNV.

– Qualitätsstandards in der PSNV.

 

Teil 3. Krise und Krisenintervention:

– Fachliches zum Thema „Krise“.

– Konsequenzen für die Praxis der Krisenintervention.

– Zudem werden die psychischen Folgen für von Unglücken betroffene Menschen erklärt.

 

Teil 4. Kommunikation und Teamarbeit:

– Gesprächsführung im Einsatz.

– Bestimmte Gesprächssituationen mit hilfreichen Formulierungstipps (z.B. bei langen Gesprächspausen) .

– Toll finde ich hier auch den „PSNV-3-Satz“, der sich als hilfreicher Merksatz für jeden Einsatz anbietet und Einsätzen durch die Anwendung immer wieder aufs Neue Struktur gibt.

Ein Tipp: Der „PSNV-3-Satz“ ist hinten auf der Umschlaginnenseite nochmals abgedruckt !

– Zusammenarbeit des Teams im Einsatz.

– Zusammenarbeit mit anderen (Einsatzkräften/Organisationen), die am Einsatz beteiligt sind.

 

Teil 5. PSNV in der Praxis:

Für mich zusammen mit Teil 6 das Herzstück des Buches.

– Hier geht es um die Einsatzplanung bzw. -übernahme, die Phasen eines Einsatzes und hilfreiche Ausrüstungsmaterialien sowie die Dokumentation von Einsätzen.

– Den größten Raum nehmen die 22 (!) Einsatzindikationen ein, die nach einem einheitlichen Aufbau vorgestellt werden.

Hier finden sich z.B. „Überbringung Todesnachricht“, „Erfolglose Reanimation“ genauso wie „Suizid“, „Tod von Kindern“, „SIDS“, „Identifizierung“, „Vermisste Person“, „Räumung/Evakuierung“ oder die „Überbringung einer Todesnachricht bei anwesenden Kindern“.

Zu den Einsatzindikationen gibt es:

– „Das Wichtigste in Kürze“,

– Mögliche Reaktionen der Betroffenen,

– Hinweise für den Einsatz,

– Dinge, die vermieden werden sollten,

– Mögliche Auswirkungen auf die Einsatzkräfte,

– sowie relevante fachliche Hintergründe.

Zudem finden sich viele hilfreiche Beispiele und Formulierungshilfen.

 

Diese Aufteilung halte ich für eine tolle Idee, da sie sich an der Einsatzpraxis orientiert.

Solch eine Praxisnähe habe ich bisher in keinem PSNV-Buch gefunden.

Es ist daher auch sinnvoll, das Buch in den Einsatz mitzunehmen, um -auch mal zwischendurch- nachschlagen zu können.

Gerade bei Einsätzen, die nicht so häufig vorkommen.

 

Teil 6. Tipps für bestimmte Einsatzsituationen:

Wieder ein Teil für die Praxis.

– Hier finden sich Tipps zu 22 Situationen wie z.B. Umgang mit Aggression, Schuldgefühlen, Ablehnung einer Begleitung, Begleitung von Kindern, Abschiednahme, Beruhigungsmedikamente, Schaulustige oder anwesende Hunde.

– Zudem finden sich (geistliche) Texte und Hinweise zu den Traditionen und Bräuchen verschiedener Religionen.

Auch dieser Teil ist ein Grund dafür, das Buch im Einsatz immer dabei zu haben.

Zahlreiche Tipps und Formulierungshilfen hat man dadurch jederzeit  verfügbar.

 

Teil 7. Selbstfürsorge:

– Der Autor zeigt hier Möglichkeiten auf, wie jeder PSNV-Dienst zur Selbstfürsorge seiner Mitarbeiter beitragen kann.

– Zudem gibt er Tipps, wie man selbst Entlastung finden kann.

 

Teil 8. „Informatives“:

– Hier finden sich ein sehr ausführliches PSNV-Glossar sowie Internetlinks zum Thema PSNV.

– Zudem ist hier nochmals die „Checkliste zur Einsatzplanung“ aus Teil 5 in kompakterer Form abgedruckt.

 

VERSTÄNDLICHKEIT / SCHREIBSTIL:

Der Autor schreibt verständlich und bringt das Wesentliche auf den Punkt – so wie es sich für ein Praxisbuch gehört.

Trotzdem kommt der fachliche Hintergrund nicht zu kurz.

Die vielen Tipps, Beispiele und Formulierungshilfen zeigen, dass der Autor aus der PSNV-Praxis kommt und sind auch gerade deshalb für den Einsatz so wertvoll.

 

AUFMACHUNG:

Die kompakte Form (14,5 x 11cm – und somit kleiner als ein normales Taschenbuch) ist toll und passt zu einem Praxisbuch.

Dadurch hat es tatsächlich in der Einsatzjacke Platz.

Der „Kurzindex“ auf der vorderen Umschlagsinnenseite und die farbliche Unterscheidung der einzelnen Teile erleichtern das schnelle Nachschlagen.

Die zwei „Lesezeichen“ sind ebenfalls nützlich, da man so z.B. den aktuellen Einsatz in Teil 5 und eine Einsatzsituation aus Teil 6 markieren kann.

Zudem ist das Buch durchgehend farbig gestaltet.

 

PREIS:

Der Preis von 24 Euro ist meiner Meinung nach sehr fair.

Im Hinblick auf die große Praxistauglichkeit würde ich das Buch sogar als sehr günstig bezeichnen.

Viele PSNV-Bücher kosten mehr und stehen dann die meiste Zeit im Schrank, da sie (nicht nur wegen des Formats) in der Einsatzpraxis nichts bringen.

 

FAZIT:

Wie der ausführliche Text wahrscheinlich schon zeigt, bin ich von diesem PSNV-Praxisbuch begeistert und kann es jedem, der mit PSNV zu tun hat, ans Herz legen.